4. Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung im Spiegel lokaler Unterschiede

4.4 Veränderungen zwischen 2011 und 2013

Bei Vergleichen von Regionaldaten über mehrere Jahre sind Veränderungen aufgrund von Gebietsreformen oder durch Auflösung oder Neugründung von Jugendämtern zu beachten. Bei der folgenden Betrachtung können daher nur noch 541 Gebiete1 unterschieden werden. Die Karte (Abbildung 4.4) zeigt die prozentuale Veränderung der Inanspruchnahmepunkte zwischen den Jahren 2011 und 2013. Da bevölkerungsrelativierte Werte verglichen werden, geht aus der Abbildung nicht die zugrundeliegende absolute Zahl der Hilfen hervor. Alle Angaben sind zudem vor dem Hintergrund insgesamt deutlich steigender Fallzahlen zu betrachten.

Insgesamt wird deutlich, dass sich der insgesamt verzeichnete Anstieg der Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung lokal sehr unterschiedlich ausprägt. In manchen Jugendamtsbezirken ist die Zahl der Hilfen im Verhältnis zur unter 21-jährigen Bevölkerung gesunken, in 64 sogar um mehr als 10%. In 27 Jugendamtsbezirken sind die Hilfen dagegen um mehr als 50% gestiegen, in 6 von diesen hat sich die Inanspruchnahme mehr als verdoppelt. Regional zuordenbare Zusammenhänge sind jedoch nicht erkennbar – in fast allen Bundesländern sind sowohl Jugendamtsbezirke mit deutlich steigenden als auch solche mit sinkenden Fallzahlen zu finden.

Abb. 4.4: Veränderung der Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung (ohne Erziehungsberatung) von 2011 bis 2013 (Deutschland; 2011, 2013; Prozentuale Veränderung der Inanspruchnahmequote – Aufsummierung der zum 31.12. des jeweiligen Jahres andauernden und der innerhalb des Jahres beendeten Hilfen; relativiert zur Zahl der unter 21-Jährigen im jeweiligen Jahr)

Lesebeispiel: In den hellblau gefärbten Jugendamtsbezirken ist die Zahl der Hilfen zur Erziehung im Verhältnis zur unter 21-jährigen Bevölkerung im Jahr 2013 im Vergleich zum Jahr 2011 um mehr als 10 Prozent gesunken.
Quelle: Forschungsdatenzentrum der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe – Erzieherische Hilfe, Eingliederungshilfe, Hilfe für junge Volljährige 2011, 2013; Datenzusammenstellung und Berechnungen der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik

Methodische Hinweise

Datengrundlage

Als Datengrundlage dienen die Ergebnisse der KJH-Statistik für das Erhebungsjahr 2013. Es fließen die Daten von allen 562 am Jahresende 2013 bestehenden Jugendamtsbezirken ein. Allerdings mussten einige Bezirke auf Kreisebene zusammengefasst werden, da die Ergebnisse der amtlichen Statistik für eine gemeindedifferenzierte Betrachtung nicht ausreichten oder weil keine ausreichenden Referenzdaten der Bevölkerungsstatistik vorlagen. Zusammengefasst wurden: Stadt Norderstedt und Kreis Segeberg, Stadt und Kreis Göttingen, alle Städte der Städteregion Hannover, Stadt und Kreis Hildesheim, Stadt und Kreis Celle, Stadt und Kreis Lüneburg, Stadt Buxtehude und Kreis Stade, Stadt Lingen und Kreis Emsland, Stadt Villingen-Schwenningen und Schwarzwald-Baar-Kreis, Stadt und Kreis Konstanz. Die Grundgesamtheit für Berechnungen bilden daher 545 Gebiete.

Bevölkerungszahlen

Als Referenzwerte dienen die Bevölkerungszahlen des Statistischen Bundesamtes zum 31.12.2013 aus der Fortschreibung der Volkszählung von 1987. 

Extremwerte

Um „Extremwerte“ zu identifizieren, werden die Daten zunächst in eine Rangfolge gebracht und danach in 3 Teile aufgeteilt: die niedrigsten 25%, die mittleren 50% und die höchsten 25% der Werte. Die bei 25% und 75% liegenden Werte dienen dann als Berechnungsgrundlage: Der Abstand zwischen beiden Werten wird zunächst mit 3 multipliziert. Als Extremwerte werden dann diejenigen Werte bezeichnet, die entweder unterhalb des 25%-Wertes minus der dreifachen Spannweite oder oberhalb des 75%-Wertes plus der dreifachen Spannweite liegen. Dabei handelt es sich um ein gebräuchliches Verfahren (vgl. Müller-Benedict 2011, S. 99), das allerdings keine Aussage zu der Frage zulässt, warum es zu solchen „Extremwerten“ kommen konnte. So ist anhand der Daten nicht ersichtlich, ob die tatsächliche Hilfegewährungspraxis unterschiedlich ist oder ob diesen Werten evtl. ein unterschiedliches Verständnis oder Ausfüllverhalten der Statistikbogen zugrunde liegt. Eine Ausnahme wurde außerdem bei dem Indikator für die Intensität ambulanter Hilfen zur Erziehung angewandt: Hier wurde auch der niedrigste Wert herausgefiltert, da dieser deutlich niedriger als der zweitniedrigste Wert ist.

Bestimmung der Intervalle

Die Intervalle, nach denen die 5 Kategorien zusammengestellt und die „Farben“ auf der Kartendarstellung bestimmt werden, werden in jedem Jahr anhand der aktualisierten Datenbasis neu berechnet. Die Karten der verschiedenen Jahre sind daher nicht unmittelbar vergleichbar! Dazu werden zunächst die „Extremwerte“ bestimmt (s. o.) und danach der Wertebereich zwischen den verbleibenden Minimal- und Maximalwerten. Diese „Spannweite“ wird durch 5 geteilt und ergibt – aus Übersichtsgründen gerundet – das Intervall. Die Obergrenze der ersten Kategorie ergibt sich aus dem ebenfalls gerundeten Minimalwert plus der Spannweite. Nach Festlegung der Kategorien werden die „Extremwerte“ wieder mit einbezogen, sodass in der ersten Kategorie auch Ausreißer nach unten und in der fünften Kategorie auch Ausreißer nach oben enthalten sind.

Variationskoeffizient

Der Variationskoeffizient wird berechnet, indem die Standardabweichung durch das arithmetische Mittel geteilt wird. Durch diese „Normierung“ lässt sich die Varianz von Werten in unterschiedlichen Wertebereichen vergleichen. Je höher der Variationskoeffizient ist, desto größere Unterschiede sind innerhalb einer Kategorie festzustellen. Je kleiner der Variationskoeffizient ist, desto ähnlicher sind die Werte innerhalb einer Kategorie.

Literatur:

Müller-Benedict, V. (2011): Grundkurs Statistik in den Sozialwissenschaften. Eine leicht verständliche, anwendungsorientierte Einführung in das sozialwissenschaftlich notwendige statistische Wissen. Wiesbaden (5. Aufl).

  • Zusätzlich mussten zusammengefasst werden: Stadt Nettetal und Kreis Viersen, Stadt Rheda-Wiedenbrück und Kreis Gütersloh, Städte Bedburg und Elsdorf sowie die Kreise Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald.