4. Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung im Spiegel lokaler Unterschiede

4.4 Veränderungen zwischen 2013 und 2014

Bei zeitlichen Vergleichen von Regionaldaten können nur Gebiete einfließen, für die für alle Vergleichszeitpunkte ausreichend Daten vorliegen. Bei der folgenden Betrachtung können daher nur noch 558 Gebiete1 unterschieden werden. Die Karte (Abbildung 4.4) zeigt die prozentuale Veränderung der absoluten Zahl der Hilfen zur Erziehung (ohne Erziehungsberatung) in den Jugendamtsbezirken zwischen den Jahren 2013 und 2014. Anders als im Vorjahr werden keine bevölkerungsrelativierten Werte verglichen, da seit der Datenbasis 2014 eine neue Bevölkerungsstandstatistik als Referenzgröße verwendet wird, aufgrund dessen ein solcher Vergleich verzerrt werden würde.2 Bei der Darstellung der Zu- oder Abnahmen von Hilfezahlen werden Veränderungen der Bevölkerungszahl also nicht berücksichtigt.

Insgesamt wird deutlich, dass sich der insgesamt verzeichnete Anstieg der Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung lokal sehr unterschiedlich ausprägt. In 218 Jugendamtsbezirken ist die Zahl der Hilfen im Verhältnis zur unter 21-jährigen Bevölkerung gesunken. Zumeist nur geringfügig und auf der Karte nicht hervorgehoben, in 57 Gebieten jedoch um mehr als 10%. In weiteren 214 Jugendamtsbezirken wird ein leichter Anstieg von bis unter 10 % angegeben. Insgesamt verzeichnen über zwei Drittel der Jugendamtsbezirke Hilfezahlen, die um nicht mehr als 10 % in die eine oder andere Richtung von der Vorjahressumme abweichen. 120 Jugendämter verzeichnen einen Anstieg von 10 % bis unter 50 %. In 6 Jugendamtsbezirken sind die Hilfen um mindestens 50% gestiegen. Regional zuordenbare Zusammenhänge sind nicht erkennbar – in fast allen Bundesländern sind sowohl Jugendamtsbezirke mit deutlich steigenden als auch solche mit sinkenden Fallzahlen zu finden, zum Teil auch in direkter Nachbarschaft zueinander. 

 

Abb. 4.4: Veränderung der Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung (ohne Erziehungsberatung) von 2013 bis 2014 (Deutschland; 2013, 2014; Prozentuale Veränderung der absoluten Hilfezahlen – Aufsummierung der zum 31.12. des jeweiligen Jahres andauernden und der innerhalb des Jahres beendeten Hilfen)

Lesebeispiel: In den hellblau gefärbten Jugendamtsbezirken ist die Zahl der Hilfen zur Erziehung im Jahr 2014 im Vergleich zum Jahr 2013 um mehr als 10 Prozent gesunken.
Quelle: Forschungsdatenzentrum der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe – Erzieherische Hilfe, Eingliederungshilfe, Hilfe für junge Volljährige 2013, 2014; Datenzusammenstellung und Berechnungen der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik

Methodische Hinweise

Datengrundlage

Als Datengrundlage dienen die Mikrodaten der KJH-Statistik für das Erhebungsjahr 2014 auf Ebene der Jugendamtsbezirke. Es fließen die Daten von allen 563 am Jahresende 2014 bestehenden Jugendamtsbezirken ein. Allerdings mussten einige Bezirke zusammengefasst werden, da die Ergebnisse der amtlichen Statistik für eine differenzierte Betrachtung nicht ausreichten. Zusammengefasst wurden: Städte Burgdorf und Springe mit der Region Hannover, Landkreis und Stadt Hildesheim sowie Landkreis Grafschaft Bentheim und Stadt Nordhorn. Die Grundgesamtheit für Berechnungen bilden daher 559 Gebiete.

Bevölkerungszahlen

Als Referenzwerte dienen die Daten der Bevölkerungsstandstatistik des Statistischen Bundesamtes zum 31.12.2014 aus der Fortschreibung des Zensus von 2011.  

Extremwerte

Um „Extremwerte“ zu identifizieren, werden die Daten zunächst in eine Rangfolge gebracht und danach in 3 Teile aufgeteilt: die niedrigsten 25%, die mittleren 50% und die höchsten 25% der Werte. Die bei 25% und 75% liegenden Werte dienen dann als Berechnungsgrundlage: Der Abstand zwischen beiden Werten wird zunächst mit 3 multipliziert. Als Extremwerte werden dann diejenigen Werte bezeichnet, die entweder unterhalb des 25 %-Wertes minus der dreifachen Spannweite oder oberhalb des 75 %-Wertes plus der dreifachen Spannweite liegen. Dabei handelt es sich um ein gebräuchliches Verfahren (vgl. Müller-Benedict 2011, S. 99), das allerdings keine Aussage zu der Frage zulässt, warum es zu solchen „Extremwerten“ kommen konnte. So ist anhand der Daten nicht ersichtlich, ob die tatsächliche Hilfegewährungspraxis unterschiedlich ist oder ob diesen Werten evtl. ein unterschiedliches Verständnis oder Ausfüllverhalten der Statistikbogen zugrunde liegt. 

Bestimmung der Intervalle

Die Intervalle, nach denen die 5 Kategorien zusammengestellt und die „Farben“ auf der Kartendarstellung bestimmt werden, werden in jedem Jahr anhand der aktualisierten Datenbasis neu berechnet. Die Karten der verschiedenen Jahre sind daher nicht unmittelbar vergleichbar! Dazu werden zunächst die „Extremwerte“ bestimmt (s. o.) und danach der Wertebereich zwischen den verbleibenden Minimal- und Maximalwerten. Diese „Spannweite“ wird durch 5 geteilt und ergibt – aus Übersichtsgründen gerundet – das Intervall. Die Obergrenze der ersten Kategorie ergibt sich aus dem ebenfalls gerundeten Minimalwert plus der Spannweite. Nach Festlegung der Kategorien werden die „Extremwerte“ wieder mit einbezogen, sodass in der ersten Kategorie auch Ausreißer nach unten und in der fünften Kategorie auch Ausreißer nach oben enthalten sind. 

Variationskoeffizient

Der Variationskoeffizient wird berechnet, indem die Standardabweichung durch das arithmetische Mittel geteilt wird. Durch diese „Normierung“ lässt sich die Varianz von Werten in unterschiedlichen Wertebereichen vergleichen. Je höher der Variationskoeffizient ist, desto größere Unterschiede sind innerhalb einer Kategorie festzustellen. Je kleiner der Variationskoeffizient ist, desto ähnlicher sind die Werte innerhalb einer Kategorie.

Literatur:

Mühlmann, T.; Meiner-Teubner. C (2015): Welche Folgen hat die Umstellung der Bevölkerungsstatistik für die Kinder- und Jugendhilfestatistik? In: KomDat Jugendhilfe. Jg. 18. Nr. 3/2015. S. 14-17

Müller-Benedict, V. (2011): Grundkurs Statistik in den Sozialwissenschaften. Eine leicht verständliche, anwendungsorientierte Einführung in das sozialwissenschaftlich notwendige statistische Wissen. Wiesbaden (5. Aufl).

  • Zusätzlich mussten zusammengefasst werden: Kreis Mayen-Koblenz mit Städten Andernach und Mayen.
  • Vgl. Mühlmann/Meiner-Teubner 2015