4. Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung im Spiegel lokaler Unterschiede

4.3 Lokale Unterschiede bei Fremdunterbringungen in Pflegefamilien und Heimen

Die hier betrachteten Fremdunterbringungen umfassen sowohl beendete und laufende Vollzeitpflegefälle als auch Unterbringungen in stationären Einrichtungen oder sonstigen betreuten Wohnformen sowie sonstige stationäre „27,2er-Hilfen“. Im Jugendamt mit der niedrigsten Inanspruchnahmequote wurden 30 Fälle pro 10.000 junge Menschen verzeichnet, dem steht als Maximum der um das fast 21-fache höhere Wert von 626 gegenüber. Verzichtet man auch hier auf die Einbeziehung der 20 höchsten und 20 niedrigsten Werte, beträgt das Minimum 61 Punkte und das Maximum 266 Punkte. Ohne Berücksichtigung besonders hoher und niedriger Werte besteht also ein Unterschied bei Fremdunterbringungen, der dem Faktor 4 entspricht. 

Im Vergleich zur Datenbasis 2014 ist die Zahl der Jugendämter, die der Klasse mit weniger als 100 Inanspruchnahmepunkten zuzuordnen sind, deutlich – um 5 Prozentpunkte – gesunken. Die anderen Klassen sind dafür alle etwas stärker besetzt als im Vorjahr. Weiterhin gibt jedoch nur eine Minderheit von insgesamt 6% mindestens 240 Fremdunterbringungen pro 10.000 unter 21-Jährigen in der jeweiligen Bevölkerung an (vgl. Tab. 4.3).

Tab. 4.3: Maßnahmen der Fremdunterbringung (einschl. der Hilfen für junge Volljährige) nach Inanspruchnahmeklassen (Jugendamtsbezirke; 2015; Aufsummierung der zum 31.12. des Jahres andauernden und der innerhalb des Jahres beendeten Hilfen)

Inanspruchnahme zwischen … und … Punkten Anzahl der Kommunen Verteilung der Anzahl in % Median Arithmetisches Mittel Variations­koeffizient
Unter 100 149 27% 81 79 0,19
100 bis unter 170 264 47% 133 133 0,14
170 bis unter 240 112 20% 189 195 0,10
240 bis unter 310 29 5% 266 266 0,07
310 und mehr 6 1% 340 386 0,31
Insgesamt 560 100% 133 141 0,42

Methodischer Hinweis und Lesebeispiel: vgl. Tab. 4.1
Quelle: Forschungsdatenzentrum der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe – Erzieherische Hilfe, Eingliederungshilfe, Hilfe für junge Volljährige 2015; Datenzusammenstellung und Berechnungen der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik 

Die Kartendarstellung (vgl. Abb. 4.3) zeigt zwar weiterhin – wie seit Beginn des HzE-Monitorings – deutliche Nord-Süd-Unterschiede und vor allem in Bayern und Baden-Württemberg eher niedrige Inanspruchnahmequoten. Im Vergleich zu den Vorjahren ist in diesen beiden Ländern jedoch eine deutliche Veränderung wahrzunehmen: Viele der Verschiebungen von Jugendämtern in die nächsthöhere Inanspruchnahmeklasse (z.B. von „dunkelgrün“ zu „hellgrün“) fanden in diesen beiden Bundesländern statt. 

Abb. 4.3: Inanspruchnahme von Maßnahmen der Fremdunterbringung (einschl. der Hilfen für junge Volljährige) nach Jugendamtsbezirken (Deutschland; 2015; Aufsummierung der zum 31.12. des Jahres andauernden und der innerhalb des Jahres beendeten Hilfen; Angaben pro 10.000 der unter 21-Jährigen)

Quelle: Forschungsdatenzentrum der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe – Erzieherische Hilfe, Eingliederungshilfe, Hilfe für junge Volljährige 2015; Datenzusammenstellung und Berechnungen der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik